Die Ortsteile

Dörfer, Weiler und Höfe der Gemeinde Ködnitz

Ebersbach, Fölschnitz, Forstlasmühle, Haaghof, Hauenreuth, Heinersreuth, Höllgraben, Kauerndorf, Ködnitz, Leithen, Listenberg, Meierhof, Mühlberg, Pinsenhof, Reisighof, Reuth, Spitzeichen, Stephansreuth, Tennach, Tierheim, Veitsgraben und Zettmeisel.

 

Geographische Lagebeschreibung

Am Unterlauf des Weißen Mains, 9 km südöstlich der Stadt Kulmbach erstreckt sich auf einer Fläche von knapp 20 qkm die Gemeinde Ködnitz. Sie wird als Flächengemeinde bezeichnet, weil sie aus verschiedenen dezentral gelegenen Ortsteilen puzzleartig zu einer selbständigen Kommune zusammengesetzt ist.                                                                                   

Der Weiße Main stellt aus geologischer Urzeit bis in unsere Gegenwart hinein die Lebensader der Kleinregion Ködnitz dar. Das schmale Tal des Flusses wird links und rechts von mächtigen Bergriegeln eingeengt. Rechtsmainisch ziehen sich die Muschelkalkhöhen der Weinleithen bis ins Trebgaster Land hin, linksmainisch erstrecken sich die Buntsandsteinberge mit ihren ausgedehnten Forsten. Der Weiße Main trennt in lebhaften Mäandern diese geologische Dualität:  die sonnigen Muschelkalkhöhen sind seit spätmittelalterlichen Zeiten landwirtschaftliches Ackerland, der waldreiche Buntsandsteinblock, in mittelalterlichen Zeiten einst der „Bannwald“ unter der Herrschaft der Grafen von Orlamünde auf der Plassenburg, wurde und wird überwiegend forstwirtschaftlich genutzt und ist im 13./14. Jahrhundert teils auch zur landwirtschaftlichen Nutzung freigegeben worden.

Dort in der Tallage, wo Bäche der angrenzenden Bergzüge dem Weißen Main zufließen, entwickelten sich im Laufe einer ca. 1100jährigen Geschichte die Talortschaften Feuln, Waizendorf, Ködnitz, Ebersbach, Fölschnitz (mainabwärts gesehen), und am Zusammenfluss von Schorgast und Weißem Main die Ortschaft Kauerndorf. Aufgereiht wie auf einer Perlenschnur, im 2 km-Abstand, begleiten diese Talortschaften die Windungen des Weißen Mains bis vor die Tore der Stadt Kulmbach.

Anders die Siedlungsstruktur auf dem „Rangen“, so die volksmundliche Bezeichnung für das Waldgebiet auf den Buntsandsteinhöhen. Auf Rodungsinseln im Forst entwickelten sich Parzellensiedlungen:  Einzelgehöfte, Weiler und kleine Dörfer, welche sich um den Zentralort Heinersreuth ob Kulmbach gruppieren. Alle Rangenorte verdanken ihre Entstehung dem thüringischen Grafengeschlecht der Orlamünder, die von 1248 bis 1340 auf dem Erbweg das Kulmbach - Bayreuthische Land erworben hatten. Die Rangenorte sind also relativ junge Siedlungen. Die Orlamünder gründeten 1279 das Kloster Himmelkron und stifteten diesem eine Reihe von Höfen und Siedlungsstätten auf dem Rangen, die sie zu diesem Zweck auf gerodeten Flächen im herrschaftlichen Forst erbauen ließen. Zu diesen Neusiedelungen auf und am Rangen gehören die folgenden Hofstätten, Weiler und Dorfortschaften:

Der Pinsenhof - 1495 erstmals als Pintzenhof dokumentiert.                  

Der Haaghof – in früherer Zeit Christiansperg genannt.

Zettmeisel – Hofsiedlung auf der Rangenhochfläche. Ortsname möglicherweise auf Imkerei, spätmittelalterlich „Zeiteln“ genannt, hindeutend.

Maierhof – Gutshof auf der Rangenhochfläche, in früheren Zeiten „Höfles“ genannt. Heute noch landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb.  „Urlaub auf dem Bauernhof“ möglich.

Stephansreuth – ursprünglich (1803) zu Ebersbach gehörend. Ortsname vom Personennamen des Erbauers abgeleitet.

Leithen – Spätsiedlung Ende des 17. Jahrhunderts. 1811 erwähnt als „Wirtshaus zu Leithen“ bei Tennach, bis Ende 20. Jhdt. beliebte Ausflugsgaststätte „Waldschlösschen“ der Kulmbacher Stadtbevölkerung.

 Höllgraben – Einzelgehöft an der Stadtgrenze zu Kulmbach.

Listenberg – Weilersiedlung am Nordhang des Rangens. 1398 als „Liebstemberg“ bezeichnet. Ursprünglich zum Kloster Himmelkron gehörend. Heute zwei Anwesen. „Urlaub auf dem Bauernhof“ möglich.

Reisighof – ursprünglich „Hartwigshof“ genannt und zum Kloster Himmelkron gehörend. Heute noch bäuerlicher Vollerwerbsbetrieb.  „Urlaub auf dem Bauernhof“ möglich.

Tennach - 1398 als Dorf „bei dem Tennech“, d. h. „bei den Tannen“ bezeichnet. Herrschaftliche Plansiedlung aus dem 13. Jahrhundert, als typische Waldhufensiedlung angelegt, die ihre Zinsabgaben an das Kloster Himmelkron entrichtete.  Auf der Rangenhochfläche inmitten von Feldfluren gelegen. Von der rein landwirtschaftlichen Struktur ist nur ein Vollerwerbsbetrieb            übriggeblieben.

Spitzeichen – ebenfalls eine herrschaftliche Plansiedlung aus dem 13.Jhdt. In einer Mulde am südlichen Rand der Rangenhochfläche gelegen. 1349 als Dorf „zu der spiczen Eychen“ erwähnt, dass die Zinsabgaben an die Pfarrkirche zu Kulmbach entrichten musste. Die Bewohner leben heute nicht mehr von der Landwirtschaft. Der Ort liegt in anmutiger Höhenlage und wird überragt von dem auf 528 m Höhe errichteten Spitzeichener Aussichtsturm. Am Turm ist eine Gedenktafel angebracht, auf der das berühmte Zitat von J. W. v. Goethe zu lesen ist:                                                                      Franken ist ein gesegnetes Land.   Von den Bergen und Schlössern   ein Ausblick, viele Stunden weit! 

Heinersreuth – um es nicht mit den zahllosen Heinersreuths im Frankenland zu verwechseln, sollte man diesen Ort wie im 19.Jhdt üblich, mit dem Zusatz versehen:  ob Kulmbach. Das Dorf ist wie Spitzeichen und Tennach eine herrschaftliche Plansiedlung der Orlamünder Grafen aus dem späten 13. Jahrhundert. Über Jahrhunderte hinweg hatten die dort ansässigen Bauern ihre Abgaben an die Plassenburger Herrschaft zu leisten. Deshalb werden die Höfe in alten Urkunden als „Burggüter“ bezeichnet.                                                                                                                                                           Während der napoleonischen Besatzungszeit von 1806 bis1810 fiel Heinersreuth ob Kulmbach eine besondere Rolle zu: der dort amtierende „Dorfschultheiß“ (Dorfvorsteher, heute Bürgermeister), hatte die immense Aufgabe, die Besatzungstruppen logistisch zu versorgen, also die Soldaten mit Brot, Fleisch, Wurst, Bier, Wein, Branntwein, Feuerholz, Pferdefutter, Heu, Stroh, Kienspanholz etc,  zu beliefern, mit und durch den Einsatz  einer Flotte von Ochsengespannen und Pferdefuhrwerken. So erwählte die Geschichte das kleine Dorf Heinersreuth für ein paar Jahre zur Großmarktzentrale des Kulmbacher Landes. 

Tierheim – Kurz vor Heinersreuth liegt vom Wald umgeben das Tierheim. Im Jahre 1960 gegründet, betreibt der Tierschutzverein Kulmbach hier eine Heimstätte für herrenlose Hunde und Katzen, betreut aber auch als „Tierpension“ vorrübergehend Stubentiere, deren Herrchen oder Frauchen Urlaub machen.

Ein sogenanntes Einzel, das nicht zu den Rangenorten gehört, sondern der Ortschaft Ködnitz zugeteilt ist, bedarf hier wegen seiner exponierten Lage einer besonderen Erwähnung:  das Einzelgehöft Reuth – Hirsch, in Ködnitz kurz Reuth genannt. Es liegt als einziger Bauernhof auf der Weinleithenseite (also im Muschelkalkgebiet), hoch über dem Maintal. Den Namen Hirsch trägt der Hof nach seinem Erbauer Johann Thomas Hirsch, der diesen um 1840 errichtete. Er ist also ein relativ junges Objekt. Noch jüngeren Datums ist die gegenüberliegende, oberhalb von Ködnitz thronende Hofstätte Hainbühl, in Ködnitz kurz „Habühl“ genannt. Christian Gewinner erbaute diesen seinen Hof im Jahre 1923. Hainbühl war ein Handwerkeranwesen gekoppelt mit kleinbäuerlichem Betrieb.         

Veitsgraben - ein gut verborgenes Einzel, zu Ködnitz gehörend. Veitsgraben liegt versteckt im Wald an der Nordostseite des Rangens: Stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird 1546 Waitzgraben genannt.

Oberhalb von Fölschnitz liegt auf einer Rodungsinsel des 14. Jahrhunderts die Weilersiedlung Hauenreuth, aus drei Höfen bestehend. 1398 wird im Landbuch der Plassenburg vermerkt, dass in Hawenrewt ein Hof besteht, der der Herrschaft (zu Plassenburg) gehört und von Walther Mörschel bewirtschaftet wird. Durch einige Neubauten der Gegenwart hat heute „die Hauenreuth“ Verbindung zur Ortschaft Fölschnitz.

 

Kommunale Entwicklung                                                                                                                                         

Namengeber für die politische Gemeinde war die Dorfortschaft Ködnitz. Bis zu Beginn des                        20. Jahrhunderts bot Ködnitz im Wesentlichen ein von der Landwirtschaft geprägtes Bild.                           Die Einwohnerstatistik über die letzten 150 Jahre meldet eine konstante Anzahl von knapp 3oo Bewohnern. Der Sozialstrukturwandel der letzten 50 Jahre, vom Bauerndorf hin zum modernen Stadtbürger–Dorf, blieb nicht ohne Folgen. Der Bauernstand, die Landwirtschaft, ist so gut wie verschwunden. Die Bewirtschaftung der Feldfluren erfolgt aber immer noch durch ortsansässige landwirtschaftliche Haupt- und Nebenerwerbe. Pachten und Verpachten spielen eine wichtige Rolle. Eine Neubausiedlung oberhalb des alten Dorfes unterstreicht die Abkehr von der einstigen bäuerlichen Ordnung. Lag der Kinderreichtum vor 4 Generationen bei 4 bis 8 Kindern, so liegt er heute nur noch bei 1 bis 3 Kindern pro Haushalt. Aber immerhin leistet man sich in der ländlichen Region noch Kinder. Diese generellen Entwicklungen vollzogen sich in identischer Weise in allen Siedlungen des ländlichen Raumes.  Der Kinderreichtum vergangener Zeiten bewirkte auf den Dörfern, im Verlauf des 19. Jahrhundert eigene Schulhäuser zu erbauen -  die Dorfschulen. In unserer Gemeinde existierten bis 1969 vier Dorfschulhäuser: in Ködnitz, in Heinersreuth, in Fölschnitz und in Kauerndorf, in denen ein florierendes Schulleben sowie eine beachtliche Bildungskultur herrschten.  Als 1969 die Landschulen aufgelöst wurden, verwendete man die Schule Kauerndorf als öffentliche Begegnungsstätte, das Schulhaus in Fölschnitz wurde zum Rathaus des Rates der Gemeinde Ködnitz umgebaut, das Schulhaus in Heinersreuth an privat verkauft, und die Dorfschule Ködnitz als Schulmuseum in seine ursprüngliche Funktion regeneriert. Heute ist das „Dorfschulmuseum Ködnitz“ (seit 1993), ein gut besuchtes, renomiertes Museum, dessen Leitbild darin besteht, die Besonderheiten der „Einklassigen Landschule“ im Lehren und Lernen, in Erziehung und Bildung der Landkinder, lebendig zu dokumentieren.  

Noch ein Wort zu Ködnitz:  Jedermann in der Gemeinde spricht „Kängst“, niemals Ködnitz. Womöglich weist diese mundartliche Benennung tief in die Vergangenheit des Dorfes zurück. Es könnte mit den steilen Hängen, in die der Ort eingezwängt ist, in Verbindung stehen. Diese bilden ein „Gehänge“, das fränkisch-mundartlich zu „Gehängicht“ umgeformt, im Laufe der Zeit durch ständigen Sprachgebrauch zu „K’ängicht“ und daraus schließlich zu „Kängst“ verschliffen wurde. Das wäre plausibler als den mundartlichen Ortsnamen aus der slawischen Altform „Chotenitz“ abzuleiten, wie es die Sprachwissenschaftler gegenwärtig tun. Es waren ja keine Slawen, sondern fränkische Bauernsiedler die die Ortschaft gründeten.

 Geschichte und Gegenwart

In alten Aktennotizen des 19.Jhdts. wird Ködnitz als „Rural-Gemeinde“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie ländlich-bäuerliche Kommune. Damit ist gemeint, dass die Kleinregion Ködnitz seit eh und je geprägt ist von bäuerlicher Agrarkultur. Die Landschaft trägt den Stempel bäuerlicher Bewirtschaftung von karolingischer Zeit (9.Jhdt.) bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts, als der Nachkriegs–Wirtschaftsaufschwung die tausend Jahre alte bäuerliche Dorfkultur beendete.

Ihren Ortsnamen Ködnitz trägt die Kommune seit 1818, als unter König Max I. von Bayern und seinem Innenminister Graf Maximilian von Montgelas eine gigantische Verwaltungs- und Gebietsreform unter der Bezeichnung „Bayerisches Gemeinde-Edikt“ verordnet wurde. Im Zuge dieser Maßnahme wurden die Dörfer Fölschnitz, Ebersbach, Ködnitz, Heinersreuth ob Kulmbach, Spitzeichen und Tennach zur „Ruralgemeinde Ködnitz“ zusammengelegt. Der Ort Ködnitz fungierte als Namensgeber, weil dem „Dorfschultheißen“ (auch „Ortsvorsteher“ genannt), der in Ködnitz seinen Wohnsitz hatte, die Aufsicht über die neue Gemeinde übertragen wurde. Es gab ja im frühen 19. Jhdt. noch kein Wahlrecht, sodass der „Schultheiß“ von der Regierung ernannt wurde.

Die Ortschaft Kauerndorf wurde erst 1972 während der zweiten großen „Bayerischen Gebietsreform“ unter Innenminister Dr. Bruno Merck an die alte Gemeinde Ködnitz angeschlossen.                                Kauerndorf gilt als die historisch älteste Siedlung in der Gemeinde, denn die Endsilbe „- dorf“ könnte auf auf karolingische Vergangenheit des 9. Jhdts. hinweisen. Dabei dürfte die Ursiedlung „Curendorf“ am linken Schorgastufer angelegt gewesen sein. Die zweite Siedlungsschiene Kauerndorfs entwickelte sich erst im 13. Jhdt. an der Straße Kulmbach – Untersteinach.

Im Landbuch der Plassenburg von 1398 ist vermerkt, dass in „Kawrndorf“ sechs Höfe der Plassenburger Herrschaft, und ein Gut (großer Bauernhof) zu Kloster Langheim gehören. Deshalb ist im Wappen der Gemeinde Ködnitz der Abtsstab als Klostersymbol eingezeichnet.   (Bild: Wappen)

Zu Kauerndorf gehört auch das Einzel Forstlasmühle, kurz vor dem Zusammenfluss der Schorgast mit dem Weißen Main. An der Hauswand der Mühle ist noch die ehemalige Mühlentechnik abzulesen: „Kunstmühle von J.P. Schuberth“. Kunstmühlen mahlten das Getreide nicht nach alter Weise zwischen Mühlsteinen aus Sandstein, sondern benutzten die modernen neuen Stahlgetriebewalzen, die das Getreide in fein ausdifferenzierter Körnung von grob bis fein zermahlen konnten.                                 Steilrecht oberhalb der Forstlasmühle, an der Ostkante der Espichhochfläche, liegt der aus zwei Höfen bestehende Mühlberg. Der ältere der beiden, ein stattlicher Gutshof in eindrucksvollem historischen Gewand, betrieb einstens Weidevieh-Wirtschaft. Die Schafherden und Ziegen weideten auf den kahlen Flächen des Espich, was den Hof zu seinem Beinamen „Schafhof“ verhalf. 1398 wird der Mühlberg noch als „Ewlenperg“ bezeichnet. Die zweite Hofstätte, der „Sahrhof“ entsteht erst in neuer Zeit.                                                                                 

Während des 30-jährigen Krieges spielte der Mühlberg eine kurze militärstrategische Rolle: im Jahre 1635 belagerte ein kaiserliches Heer die Stadt Kulmbach. Der Kommandeur W. v. Lamboy positionierte seine Artillerie auf der Mühlberghöhe und nahm die Stadt unter Direktbeschuss, was zu ihrer Kapitulation führte. Dass dabei der „Schafhof“ das übliche Schicksal dieses schrecklichen Krieges, nämlich Plünderung und Zerstörung erlitt, ist selbstredend.  

 So umfasst heute die politische Gemeinde Ködnitz die verstreut im Forstgebiet liegenden Gehöfte, Weiler und Dörfer um die Höhensiedlung Heinersreuth ob Kulmbach, sowie die Talortschaften Ködnitz, Ebersbach, Fölschnitz und Kauerndorf.

 

Historische Anmerkungen

So vielfältig sich die Kommune Ködnitz in ihrer Gemeindefläche darbietet, so einheitlich zeigt sich der historische Werdegang der Gemeindedörfer. Die Taldörfer haben ihren Ursprung bereits in der karolingischen Epoche des frühen Mittelalters. Karl der Große (763 – 814) ließ im Anschluss an den Reichstag zu Forchheim (804 n. Chr.) die Ostgrenze seines Reiches bis an den „Nordwald“ (Frankenwald mit Fichtelgebirge) vorschieben, indem er die Obermainlande durch fränkische Bauernsiedler kolonisieren ließ. Der Weiße Main bot den Anreiz für erste Ansiedlungen fränkischer Bauern, da er Trinkwasser und fruchtbare Auen zur Genüge hatte und als Transportmittel für Baumaterial genutzt werden konnte. So kann man davon ausgehen, dass die am Weißen Main gelegenen Dorfortschaften Feuln, Waizendorf, Ködnitz, Ebersbach, Fölschnitz, und Kauerndorf (kurz vor der Mündung der Schorgast in den Weißen Main liegend) ihre Entstehung der Kolonisationspolitik Kaiser Karls (genannt der Große) zu verdanken haben. Die Geburtsstunde der zur Gemeinde Ködnitz gehörenden Talortschaften Ködnitz, Ebersbach, Fölschnitz und Kauerndorf (Waizendorf und Feuln zählen zur Gemeinde Trebgast) sollte demnach zwischen 9. Und 10. Jahrhundert (etwa um 850 bis 950) geschlagen haben.        

Vereinzelt ansässige Wendenslawen wurden bei der Landnahme entweder assimiliert oder vertrieben. In den Ortsnamen unseres Heimatraumes schimmert immer noch die Existenz vereinzelter slawischer Ansitze durch. Darauf deuten Ortsnamen wie Fölschnitz, Ködnitz, Kemmeritz Wehelitz, Döllnitz etc. hin, die in ihrer Endsilbe „…itz“ auf die slawische Sprache verweisen: „…itz“ bedeutet so viel wie „der Ort, der Platz da, die Stelle hier“. Der Ortsname Windischenhaig (bei Kulmbach) beweist wohl heute noch die Anzeichen slawischer Frühkultur: „Wendisch-en-Haig – der umhegte Platz der Wenden“. Die Wendenslawen besiedelten in frühmittelalterlicher Zeit das Saalegebiet, wahrscheinlich bis ans nördliche Fichtelgebirge (Saalequelle am Waldstein), von wo aus sie im heutigen Oberfranken vereinzelte Niederlassungen bildeten.

Das Alter, bzw. die Entstehungsgeschichte unserer Ortschaften sind natürlich spekulativ, da es zu jener frühmittelalterlichen Zeit keine Belege gibt. Aber aus der Interpretation der Ortsnamen lassen sich gewisse Rückschlüsse ziehen, die zu angemessenen Mutmaßungen führen. Gesicherte, reale Kenntnisse gewinnt man erst aus schriftlichem Quellenmaterial des späten Mittelalters, wie sie in Form von Urkunden und Dokumenten vorliegen. Darin findet man mit Jahreszahlen versehene Erstnennungen oder Ersterwähnungen des Ortsnamens.  Das führt zu folgenden Fakten:                    Im Jahre 1256 wird Kauerndorf erstmals als Curendorf genannt. Kloster Langheim hat hier Güter in Besitz.         

                                                                                                                                                                                                       1310 erscheint Ködnitz als Kotentz. Die Herren von Wirsberg haben hier umfangreiche Besitzungen, auch eine Turmburg mit Burggut. „Herr Heinrich von Wirsberg hat einen Gutshof und noch 5 Selden (ein Selden ist ein Kleinbauernhof). Seine Behausung (also die Turmburg) muss der Herrschaft auf der Plassenburg bei Bedarf zur Verfügung stehen …“, so lautet eine Verfügung im „Landbuch der Plassenburg“ von 1398.                                                                                                                                           In der urkundlichen Erstnennung von Ködnitz aus dem Jahre 1310 ist festgelegt, dass die „Herrschaft von Plassenburg den halben Zehend im Dorf Kotenz“ von den Bauerhöfen zu erheben befugt ist. Das Dorf Kotenz, wie Ködnitz vor etwa 700 Jahren genannt wird, besteht laut Landbuch von 1398 aus 16 bäuerlichen Anwesen und einer Mühle (besteht immer noch). Diese aus dem Mittelalter stammende Dorfstruktur hat sich in Ködnitz bis in unsere Gegenwart in Grundzügen erhalten. Lediglich die Turmburg–Anlage, 1497 als „Wal zu Kotentz, die Phannau genannt“ verschwindet im 15. Jhdt. Wo sie vermutlich beim Hussitteneinfall 1420 so zerstört wurde, dass sie aufgegeben wird. Nur eine Auenwiese am Main mit dem Flurnamen „Pfannau“, auf der eine rundliche Erhöhung von ca. 10m Durchmesser zu erkennen ist, erinnert heute noch an diesen frühmittelalterlichen Adelssitz.             Welche Bedeutung hat die geschichtliche Entwicklung des Dorfes für die heutige Dorfortschaft Ködnitz?                                                                                                                                                                            Von den mittelalterlichen Gebäuden ist natürlich kaum eine Spur mehr zu finden. Nur das „Zahnshäusla“, ein Wohnstall-Haus mit Stadel atmet noch den Hauch des frühen 18. Jhdts. Ansonsten hat das 20. Jhdt. in der Ortschaft die Wohngebäude zu modernen Wohnstätten auffrisiert. Die Dorfanlage jedoch, die sich am Weißen Main und an der Dorfstraße als Siedlungsachse gruppiert, entstammt dem späten Mittelalter. Dessen räumliche Dorfstruktur, gliedert in einem Oberdorf-Siedlungskern und einem kleineren Unterdorf-Pulk an der Mühle, lässt sich noch heute unschwer erkennen. So wirkt die Geschichte bis in unsere Gegenwart hinein. Gleiches gilt für die Nachbarortschaften Waizendorf und Feuln.                                                                           

                                                                                                                                                                                                                                                          Fölschnitz wird urkundlich im Jahre 1350 als Volczich erwähnt. Das Kleinadelsgeschlecht von Wallenroth betreibt mehrere Höfe. Der „Schütz von Laineck“ ist belehnt mit einem Hof der Herrschaft Plassenberg, der „Bürger Smit“ hat ein Gut zu Lehen, der Kulmbacher Heinrich Berckmeister bewirtschaftet ebenfalls ein Lehengut und führt auch die herrschaftliche Mühle in Fölschnitz. „Der Thömlein“ sitzt auf einem herrschaftlichen Fronhof.                                                                     Die früheste Erwähnung eines Fölschnitzer Bauerngeschlechtes, das sich heute noch eines regen Familienlebens erfreut, soll nicht ungenannt bleiben: „die Gramp bewirtschaften a.d. 1417, ein Gütlein in Folschitze.“ Das dürfte wohl das bedeutendste familiengeschichtliche Denkmal sein, das Fölschnitz aufzuweisen hat: Über 600 Jahre lang sitzt ein Bauerngeschlecht auf seiner Scholle, vererbt von Generation zu Generation in der 25. Folge!                                                                                                       Das sind nur wenig benannte bäuerliche Anwesen, die zum spätmittelalterlichen Dorf Fölschnitz gehören, das sich entlang der alten Handelsstraße vom Grünwehr in Kulmbach, über die untere Buchgasse, durch eine Furt am Burgstall zur heutigen Straßenachse Richtung See entwickelt hatte. Fölschnitz – ein fränkisches Straßendorf mit einem seltsam fremdartig klingenden Ortsnamen, der in spätmittelalterlichen Akten in mehreren Schreibvarianten in Erscheinung tritt.                                                   Die erste Erwähnung im Jahre 1350 bezieht sich auf ein Lehengut im Besitz des Rittergeschlechtes von Wallenrode und buchstabiert sich als „Volczich“. Wie man diesen Ortsnamen aussprach wissen wir nicht mehr. Aber die Häufung von Konsonanten in der Wortgestalt lässt auf slawische Sprachherkunft schließen. 1421 wird der Name in einer Urkunde gleich zweimal unterschiedlich geschrieben: „die Gramp von Folschniz haben ein Gütlein zu Lehen vom Burggrafen im Dorf Folschyz“. Die herrschaftlichen Kanzleischreiber waren sich über diesen eckigen, ungeläufigen Ortsnamen nicht ganz einig. Die gegenwärtige Forschung ist sich indes einig, dass Fölschnitz mit slawischer Besiedlung zusammenhängt. Man weiß von archäologischen Funden, dass zur Zeit der Gründung des Bistums Bamberg 1007 Slawen an der Regnitz und dem Obermain ansässig waren (siehe Ortsname „Windischenhaig“).                                                                                                                                                                           So erschließt sich uns die lokale Geschichte der Gemeinde Ködnitz etwas doppelbödig: Vereinzelte slawische Ansitze mögen die fränkischen Bauernsiedler im Obermaingebiet vorgefunden haben, als sie diese Region im Frühmittelalter besiedelten. Dies ergibt sich aus der Deutung der Ortsnamen wie Fölschnitz oder Ködnitz. Die Erschließung und Entwicklung der Kleinregion um Ködnitz erfolgte aber durch die niederen Adelsgeschlechter im Zusammenwirken mit den fränkischen Bauern, die die heutige Gestalt und landwirtschaftliche Struktur des Gemeindegebietes erschufen.                                       Das gegenwärtige Ortsbild von Fölschnitz lässt kaum noch Spuren seiner ca. 1000jährigen Entwicklungsgeschichte erkennen. Bis um 1960 war der historische Ortskern mit seinem bäuerlichen Höfe-Ensemble erhalten geblieben, dann griff der Nachkriegs-Wirtschafts-Wohlstand in das Dorfgefüge ein. Die Flurbereinigung ebnete den Boden für moderne Neubaugebiete, die schließlich den landwirtschaftlichen Nutzraum der Weinleithe überwucherte und die beiden Dorfortschaften Fölschnitz und Kauerndorf miteinander verband. Weitere Neubausiedlungen wuchsen aus dem Dorf in die umliegenden Fluren heraus. Die alten Gebäude erhielten zeitgemäße Fassaden und damit verwandelte sich das ehemalige Fölschnitz in eine vorstädtische Siedlung, wie es eben der Fortschritt verlangte.

 Von Ebersbach erfahren wir erstmals 1398 als Eberspach. Die Plassenburger Herrschaft besitzt hier eine Turmburganlage (Burgstall), ein Fischwasser und einen Obstgarten.                                        Turmburgen, auch „steinerne Häuser“ oder „befestigte Häuser“ (domus confirma) genannt, gab es in jeder Talortschaft der Kleinregion um Ködnitz.  Das „Landbuch der Herrschaft Plassenburg“ von 1398 zählt diese Steinbauten, die als Schutz – oder Fliehburgen in Kriegszeiten dienten, im Einzelnen auf: in Kauerndorf, in Ebersbach, in Ködnitz, Waizendorf, Feuln und Trebgast. Fölschnitz wird darin nicht genannt, besitzt aber eine Flurbezeichnung namens „Burgstall“, woraus zu schließen ist, dass eine „Burg an jener Stelle“ einst gestanden ist.                                                                                          

Diese steinernen Turmbauten verloren am Ende des Mittelalters ihre Schutzfunktion, verfielen, wurden „wüst“ oder dienten als willkommenes Baumaterial für den Unterbau des neuen Bauernhaustyps, bei dem das Holzbalkenkonstrukt auf einen Steinunterbau gesetzt wurde.  

Dem aufmerksamen Besucher, der durch unser Maintal wandert oder fährt, mag das Fehlen des dörflichen Wahrzeichens, des Kirchturms, aufgefallen sein. In der Tat, es sind allesamt kirchlose Dörfer!  Die Ursache dafür muss man in der Besiedelungsgeschichte suchen:                                                  Die frühmittelalterliche Landnahme konnte christlich-religiös motiviert sein, dann vollzogen sie Missionare, Mönche, Geistliche, denen die Christianisierung durch Taufe der Ungläubigen am Herzen lag. Diese bauten als erstes ein Gotteshaus, also eine Kirche, um ihre seelsorgerischen Pflichten erfüllen zu können. So geschehen in Trebgast, das aus einer Taufkirche (Johannes der Täufer) hervorging.                                                                                                                                                                   Die frühe Landnahme konnte aber auch unter wirtschaftspolitischem Aspekt stattfinden: Gewinnung von Land und Siedlungsraum, was als Machtzuwachs für den König galt. Dazu sandte man Bauernsiedler aus, die das herrenlose Land erschlossen und kultivierten. Dazu brauchte man keine Kirche, sondern Bauernhöfe und Ackerland.                                                                                                          Letzteres war in unserer Kleinregion der Fall, was auch für alle anderen kirchlosen Dörfer im östlichen Frankenland gilt.

Zusammenfassung

Die in Jahrhunderten gewachsene Gestalt der Kleinregion um Ködnitz hat mit der heutigen Gemeinde Ködnitz nur noch wenig Gemeinsamkeit. Der gravierendste Unterschied besteht im Wandel der Sozialstruktur:  die bäuerlich – ländliche Bewirtschaftungskultur ist nahezu verschwunden und hat einer bürgerlich – städtischen Zivilisation Platz gemacht, wie fast überall in unserem Lande. Der Verstädterungsprozess kommt vor allem in der Bebauung sichtbar zum Ausdruck. Der Dorfcharakter der Ortschaften beginnt sich zu verändern durch Neubaugebiete und moderne Architektur. Dadurch können Ortschaften zusammenwachsen, wie am Beispiel Fölschnitz – Kauerndorf zu sehen ist.

Trotzdem bleibt der Reiz, in ländlicher Umgebung zu wohnen und zu leben, erhalten. Von Landflucht kann in unserer Gemeinde keine Rede sein, selbst die junge Generation baut sich auf väterlichem Grund und Boden bezahlbare Eigenheime. Es liegt an den Eigentümlichkeiten der Landschaft, dass Menschen sich entscheiden hier in der Gemeinde Ködnitz zu leben. Hier finden sie waldreiche Berge, sonnige Feldfluren, ein tiefes Flusstal mit einem frei mäandrierenden Weißen Main, Spazier – und Wanderwege mit reizvollen Ausblicken und Weitsichten bis ins Fichtelgebirge. Dazu der kostenlose Genuss von frischer Luft und besinnlicher Ruhe – und, nicht zu vergessen, ein hervorragendes Trinkwasser aus gemeindeeigenem Brunnen!

Die naturnahe Landschaft mit ihrer natürlichen Schönheit ist auch noch heutzutage das bedeutendste Kapital, das unsere Gemeinde Ködnitz besitzt.

Gehen wir damit sorgsam um!  

 

Textentwurf von Günter Wild (SOL i.R. und Leiter Dorfschulmuseum Ködnitz).

 

Als Quellen zur historischen Entwicklung des Gemeinderaumes Ködnitz dienten:                                                                                                             - die Landbücher der Herrschaft Plassenburg von 1398 und 1531                                                                           - das Historische Ortsnamenbuch von Bayern (Land- und Stadtkreis Kulmbach),                                                     bearbeitet von Erich Freiherr von Guttenberg, München 1952                                                                                - Archiv des Schulmuseums Ködnitz                                                                                                                                 - Chronik „KÖDNITZ ein Dorf am Weißen Main“, Günter Wild, Kulmbach 2008                                                                                 - „Stille Dörfer im Tal des Weißen Mains“, Günter Wild, Kulmbach 2008                                                                  - Chronik der Stadt Kulmbach, A.W. Heckel/J. Eck, Kulmbach 1885                                                                             - „Kulmbach und die Plassenburg in alter und neuer Zeit“, Friedrich Stein, Kulmbach, ohne Jahreszahl