So vielfältig sich die Kommune Ködnitz in ihrer Gemeindefläche darbietet, so einheitlich zeigt sich der historische Werdegang der Gemeindedörfer. Die Taldörfer haben ihren Ursprung bereits in der karolingischen Epoche des frühen Mittelalters. Karl der Große (763 – 814) ließ im Anschluss an den Reichstag zu Forchheim (804 n. Chr.) die Ostgrenze seines Reiches bis an den „Nordwald“ (Frankenwald mit Fichtelgebirge) vorschieben, indem er die Obermainlande durch fränkische Bauernsiedler kolonisieren ließ. Der Weiße Main bot den Anreiz für erste Ansiedlungen fränkischer Bauern, da er Trinkwasser und fruchtbare Auen zur Genüge hatte und als Transportmittel für Baumaterial genutzt werden konnte. So kann man davon ausgehen, dass die am Weißen Main gelegenen Dorfortschaften Feuln, Waizendorf, Ködnitz, Ebersbach, Fölschnitz, und Kauerndorf (kurz vor der Mündung der Schorgast in den Weißen Main liegend) ihre Entstehung der Kolonisationspolitik Kaiser Karls (genannt der Große) zu verdanken haben. Die Geburtsstunde der zur Gemeinde Ködnitz gehörenden Talortschaften Ködnitz, Ebersbach, Fölschnitz und Kauerndorf (Waizendorf und Feuln zählen zur Gemeinde Trebgast) sollte demnach zwischen 9. Und 10. Jahrhundert (etwa um 850 bis 950) geschlagen haben.
Vereinzelt ansässige Wendenslawen wurden bei der Landnahme entweder assimiliert oder vertrieben. In den Ortsnamen unseres Heimatraumes schimmert immer noch die Existenz vereinzelter slawischer Ansitze durch. Darauf deuten Ortsnamen wie Fölschnitz, Ködnitz, Kemmeritz Wehelitz, Döllnitz etc. hin, die in ihrer Endsilbe „…itz“ auf die slawische Sprache verweisen: „…itz“ bedeutet so viel wie „der Ort, der Platz da, die Stelle hier“. Der Ortsname Windischenhaig (bei Kulmbach) beweist wohl heute noch die Anzeichen slawischer Frühkultur: „Wendisch-en-Haig – der umhegte Platz der Wenden“. Die Wendenslawen besiedelten in frühmittelalterlicher Zeit das Saalegebiet, wahrscheinlich bis ans nördliche Fichtelgebirge (Saalequelle am Waldstein), von wo aus sie im heutigen Oberfranken vereinzelte Niederlassungen bildeten.
Das Alter, bzw. die Entstehungsgeschichte unserer Ortschaften sind natürlich spekulativ, da es zu jener frühmittelalterlichen Zeit keine Belege gibt. Aber aus der Interpretation der Ortsnamen lassen sich gewisse Rückschlüsse ziehen, die zu angemessenen Mutmaßungen führen. Gesicherte, reale Kenntnisse gewinnt man erst aus schriftlichem Quellenmaterial des späten Mittelalters, wie sie in Form von Urkunden und Dokumenten vorliegen. Darin findet man mit Jahreszahlen versehene Erstnennungen oder Ersterwähnungen des Ortsnamens.
Das führt zu folgenden Fakten: Im Jahre 1256 wird Kauerndorf erstmals als Curendorf genannt. Kloster Langheim hat hier Güter in Besitz.
1310 erscheint Ködnitz als Kotentz. Die Herren von Wirsberg haben hier umfangreiche Besitzungen, auch eine Turmburg mit Burggut. „Herr Heinrich von Wirsberg hat einen Gutshof und noch 5 Selden (ein Selden ist ein Kleinbauernhof). Seine Behausung (also die Turmburg) muss der Herrschaft auf der Plassenburg bei Bedarf zur Verfügung stehen …“, so lautet eine Verfügung im „Landbuch der Plassenburg“ von 1398.
In der urkundlichen Erstnennung von Ködnitz aus dem Jahre 1310 ist festgelegt, dass die „Herrschaft von Plassenburg den halben Zehend im Dorf Kotenz“ von den Bauerhöfen zu erheben befugt ist. Das Dorf Kotenz, wie Ködnitz vor etwa 700 Jahren genannt wird, besteht laut Landbuch von 1398 aus 16 bäuerlichen Anwesen und einer Mühle (besteht immer noch).
Diese aus dem Mittelalter stammende Dorfstruktur hat sich in Ködnitz bis in unsere Gegenwart in Grundzügen erhalten. Lediglich die Turmburg–Anlage, 1497 als „Wal zu Kotentz, die Phannau genannt“ verschwindet im 15. Jhdt. Wo sie vermutlich beim Hussitteneinfall 1420 so zerstört wurde, dass sie aufgegeben wird. Nur eine Auenwiese am Main mit dem Flurnamen „Pfannau“, auf der eine rundliche Erhöhung von ca. 10m Durchmesser zu erkennen ist, erinnert heute noch an diesen frühmittelalterlichen Adelssitz.
Welche Bedeutung hat die geschichtliche Entwicklung des Dorfes für die heutige Dorfortschaft Ködnitz?
Von den mittelalterlichen Gebäuden ist natürlich kaum eine Spur mehr zu finden. Nur das „Zahnshäusla“, ein Wohnstall-Haus mit Stadel atmet noch den Hauch des frühen 18. Jhdts. Ansonsten hat das 20. Jhdt. in der Ortschaft die Wohngebäude zu modernen Wohnstätten auffrisiert. Die Dorfanlage jedoch, die sich am Weißen Main und an der Dorfstraße als Siedlungsachse gruppiert, entstammt dem späten Mittelalter. Dessen räumliche Dorfstruktur, gliedert in einem Oberdorf-Siedlungskern und einem kleineren Unterdorf-Pulk an der Mühle, lässt sich noch heute unschwer erkennen. So wirkt die Geschichte bis in unsere Gegenwart hinein. Gleiches gilt für die Nachbarortschaften Waizendorf und Feuln.
Fölschnitz wird urkundlich im Jahre 1350 als Volczich erwähnt. Das Kleinadelsgeschlecht von Wallenroth betreibt mehrere Höfe. Der „Schütz von Laineck“ ist belehnt mit einem Hof der Herrschaft Plassenberg, der „Bürger Smit“ hat ein Gut zu Lehen, der Kulmbacher Heinrich Berckmeister bewirtschaftet ebenfalls ein Lehengut und führt auch die herrschaftliche Mühle in Fölschnitz. „Der Thömlein“ sitzt auf einem herrschaftlichen Fronhof. Die früheste Erwähnung eines Fölschnitzer Bauerngeschlechtes, das sich heute noch eines regen Familienlebens erfreut, soll nicht ungenannt bleiben: „die Gramp bewirtschaften a.d. 1417, ein Gütlein in Folschitze.“ Das dürfte wohl das bedeutendste familiengeschichtliche Denkmal sein, das Fölschnitz aufzuweisen hat: Über 600 Jahre lang sitzt ein Bauerngeschlecht auf seiner Scholle, vererbt von Generation zu Generation in der 25. Folge! Das sind nur wenig benannte bäuerliche Anwesen, die zum spätmittelalterlichen Dorf Fölschnitz gehören, das sich entlang der alten Handelsstraße vom Grünwehr in Kulmbach, über die untere Buchgasse, durch eine Furt am Burgstall zur heutigen Straßenachse Richtung See entwickelt hatte. Fölschnitz – ein fränkisches Straßendorf mit einem seltsam fremdartig klingenden Ortsnamen, der in spätmittelalterlichen Akten in mehreren Schreibvarianten in Erscheinung tritt. Die erste Erwähnung im Jahre 1350 bezieht sich auf ein Lehengut im Besitz des Rittergeschlechtes von Wallenrode und buchstabiert sich als „Volczich“. Wie man diesen Ortsnamen aussprach wissen wir nicht mehr. Aber die Häufung von Konsonanten in der Wortgestalt lässt auf slawische Sprachherkunft schließen. 1421 wird der Name in einer Urkunde gleich zweimal unterschiedlich geschrieben: „die Gramp von Folschniz haben ein Gütlein zu Lehen vom Burggrafen im Dorf Folschyz“. Die herrschaftlichen Kanzleischreiber waren sich über diesen eckigen, ungeläufigen Ortsnamen nicht ganz einig. Die gegenwärtige Forschung ist sich indes einig, dass Fölschnitz mit slawischer Besiedlung zusammenhängt. Man weiß von archäologischen Funden, dass zur Zeit der Gründung des Bistums Bamberg 1007 Slawen an der Regnitz und dem Obermain ansässig waren (siehe Ortsname „Windischenhaig“). So erschließt sich uns die lokale Geschichte der Gemeinde Ködnitz etwas doppelbödig: Vereinzelte slawische Ansitze mögen die fränkischen Bauernsiedler im Obermaingebiet vorgefunden haben, als sie diese Region im Frühmittelalter besiedelten. Dies ergibt sich aus der Deutung der Ortsnamen wie Fölschnitz oder Ködnitz. Die Erschließung und Entwicklung der Kleinregion um Ködnitz erfolgte aber durch die niederen Adelsgeschlechter im Zusammenwirken mit den fränkischen Bauern, die die heutige Gestalt und landwirtschaftliche Struktur des Gemeindegebietes erschufen. Das gegenwärtige Ortsbild von Fölschnitz lässt kaum noch Spuren seiner ca. 1000jährigen Entwicklungsgeschichte erkennen. Bis um 1960 war der historische Ortskern mit seinem bäuerlichen Höfe-Ensemble erhalten geblieben, dann griff der Nachkriegs-Wirtschafts-Wohlstand in das Dorfgefüge ein. Die Flurbereinigung ebnete den Boden für moderne Neubaugebiete, die schließlich den landwirtschaftlichen Nutzraum der Weinleithe überwucherte und die beiden Dorfortschaften Fölschnitz und Kauerndorf miteinander verband. Weitere Neubausiedlungen wuchsen aus dem Dorf in die umliegenden Fluren heraus. Die alten Gebäude erhielten zeitgemäße Fassaden und damit verwandelte sich das ehemalige Fölschnitz in eine vorstädtische Siedlung, wie es eben der Fortschritt verlangte.
Von Ebersbach erfahren wir erstmals 1398 als Eberspach. Die Plassenburger Herrschaft besitzt hier eine Turmburganlage (Burgstall), ein Fischwasser und einen Obstgarten.
Turmburgen, auch „steinerne Häuser“ oder „befestigte Häuser“ (domus confirma) genannt, gab es in jeder Talortschaft der Kleinregion um Ködnitz. Das „Landbuch der Herrschaft Plassenburg“ von 1398 zählt diese Steinbauten, die als Schutz – oder Fliehburgen in Kriegszeiten dienten, im Einzelnen auf: in Kauerndorf, in Ebersbach, in Ködnitz, Waizendorf, Feuln und Trebgast. Fölschnitz wird darin nicht genannt, besitzt aber eine Flurbezeichnung namens „Burgstall“, woraus zu schließen ist, dass eine „Burg an jener Stelle“ einst gestanden ist.
Diese steinernen Turmbauten verloren am Ende des Mittelalters ihre Schutzfunktion, verfielen, wurden „wüst“ oder dienten als willkommenes Baumaterial für den Unterbau des neuen Bauernhaustyps, bei dem das Holzbalkenkonstrukt auf einen Steinunterbau gesetzt wurde.
Dem aufmerksamen Besucher, der durch unser Maintal wandert oder fährt, mag das Fehlen des dörflichen Wahrzeichens, des Kirchturms, aufgefallen sein. In der Tat, es sind allesamt kirchlose Dörfer! Die Ursache dafür muss man in der Besiedelungsgeschichte suchen: Die frühmittelalterliche Landnahme konnte christlichreligiös motiviert sein, dann vollzogen sie Missionare, Mönche, Geistliche, denen die Christianisierung durch Taufe der Ungläubigen am Herzen lag. Diese bauten als erstes ein Gotteshaus, also eine Kirche, um ihre seelsorgerischen Pflichten erfüllen zu können. So geschehen in Trebgast, das aus einer Taufkirche (Johannes der Täufer) hervorging. Die frühe Landnahme konnte aber auch unter wirtschaftspolitischem Aspekt stattfinden: Gewinnung von Land und Siedlungsraum, was als Machtzuwachs für den König galt. Dazu sandte man Bauernsiedler aus, die das herrenlose Land erschlossen und kultivierten. Dazu brauchte man keine Kirche, sondern Bauernhöfe und Ackerland. Letzteres war in unserer Kleinregion der Fall, was auch für alle anderen kirchlosen Dörfer im östlichen Frankenland gilt.